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Monat: Mai 2026

Alice Kleinschmidt

Persönliche Daten

  • Name: Alice Kleinschmidt
  • Geburtsdatum: 21.03.1984
  • Geburtsort: Annaberg-Buchholz (Erzgebirge, Sachsen)
  • Wohnort: Klio, Lesbos (Griechenland)
  • Familienstand: Verheiratet mit Nikos (Kleinbauer), zwei Kinder (Tochter: 9 Jahre, Sohn: 6 Jahre)

Alice stammt aus einer großen, künstlerisch geprägten Familie und wuchs in einem kreativen, solidarischen Umfeld auf. Sie studierte Europäische Ethnologie, Politikwissenschaft und Friedens- und Konfliktforschung und sammelte vielfältige internationale Erfahrungen. Beruflich engagierte sie sich früh in sozialen Projekten, insbesondere in der Unterstützung politisch Verfolgter, benachteiligter Kinder und Geflüchteter.

So beschreibt ALICE ihr Leben und ihre Motivation:
„Heute habe ich meinen Lebensmittelpunkt im griechischen Klio auf der Insel Lesbos. Dort lebe ich mit meinem Ehemann Nikos, einem lokalen Kleinbauern, und meinen beiden Kindern (6 und 9 Jahre). Inmitten von Tierhaltung und Oliven Anbau verbindet sich nun meine tief verwurzelte Erfahrung in sozialen Gemeinschaftsstrukturen mit einem naturverbundenen Familienleben in der Ägäis.“
Was mir an Lesbos so besonders gefällt:
„Das Zusammentreffen von vielen Menschen, mit ganz unterschiedlichen Geschichten, der Flucht, aber auch des Ankommens. Dadurch, dass die Inselhauptstadt doch recht übersichtlich ist, trifft man Menschen wieder auf der Straße und es ist leichter, sich so als Gemeinschaft zu betrachten, ob geflüchtet, privilegiert, lokal oder was auch immer. Wir sind alle Menschen und wir leben hier. Die „Locals“, die, da sehr geprägt von der Landwirtschaft als Haupteinnahmsquelle der Insel, einfach so ein gutes „einfaches“, im Sinne von, ohne den ganzen Konsumluxus, den keiner braucht, natürlich auch hartes Leben im Einklang mit der Natur (oder abhängig von ihr) und den Jahreszeiten führen. In meinem kleinen Dorf, gibt es quasi nur einen Mini Market auf ca. 20 m², aber der hat alles was wir brauchen, ein bisschen Joghurt, ein bisschen Käse, eine Sorte Kaffee, usw. Den Blick aufs Meer und die grünen Berge von fast überall auf der Insel und vor allen Dingen, von meinem Balkon aus kann ich sogar die Türkei sehen.“
Was mir an meiner Arbeit so besonders gefällt:
„Das Konkrete, das Praktische, das Unterstützen im Hier und Jetzt. Das auf Augenhöhe sein, das Zuhören. Das Verstehen, das Nachfragen. Wo kommst Du her? Wo möchtest Du hin? Kann ich Dir helfen? Konkrete Hilfe und Ressourcen suchen. Persönliche Kontakte, konkrete Angebote schaffen und kein „großes Programm“.  Im Team arbeiten und so viel Dankbarkeit von Menschen auf der Flucht erfahren. Ich fühle mich einfach bereichert durch so viele Menschen, die wir in unserer Arbeit treffen, Menschen die Unterstützung brauchen, so wie Menschen, die unterstützen möchten, werden bei uns quasi zusammengeführt und wir können, wenn auch im Kleinen was Schaffen für eine bessere gemeinsame Zukunft und ein friedliches Miteinander in Zeiten von auseinanderdriftenden Narrativen und neuen Kriegen, setzen wir das Menschliche in den Vordergrund. …

Reisebericht Oktober 2024

Im Oktober 2024 haben drei Vorstandsmitglieder eine Woche lang unser Projekt auf Lesbos besucht. Alice Kleinschmidt, unsere Projektleiterin vor Ort, hatte die Reise inhaltlich organisiert und ermöglichte uns die Begegnung mit Bewohner*innen (Mütter, Väter, Kinder) unserer Wohnungen und stand uns fast täglich für Gespräche und Informationen über das von ihr geleitete Welcome Office zur Verfügung.

Wir sind sehr bewegt und bereichert nach Kassel zurückgekehrt – und mit der festen Überzeugung, wie hilfreich, bedeutend und sinnvoll unser Wohnungsprojekt ist. Für die Geflüchteten stellen die Wohnungen (endlich) einen sicheren Ort dar, die Kinder können mit ihren Eltern zur Ruhe kommen, und wenn auch die Wohnbedingungen sehr einfach sind, ist alles zum Leben Notwendige vorhanden – ein kleines „Zuhause“. Sie bieten im Gegensatz zum Camp mit seinen derzeit etwa 1.500 Menschen einen äußeren „Schutzraum“, der auf dem Hintergrund des Statements von Katrin Glatz Brubakk insbesondere für die Kinder eine existentiell wichtige Erfahrung darstellt.

Von unseren zahlreichen Begegnungen mit den Bewohner*innen und ihren Kindern möchten wir stellvertretend zwei schildern:

Seit einigen Wochen lebt eine 20-jährige junge syrische Mutter mit ihren drei kleinen Kindern in einer der Wohnungen: Schlafzimmer, Bad, kombiniertes Wohn-/Esszimmer mit kleiner, einfacher Küchenzeile. Najim (Name geändert) wurde mit 12 Jahren von ihrem Vater verkauft und zwangsverheiratet mit einem Mann, der äußerst gewalttätig war. Nach der Flucht über die Türkei nach Lesbos setzten sich die Gewalterfahrungen für Najim durch ihren Mann fort, er wurde verhaftet und auf Bewährung verurteilt, Najim wandte sich ans welcome office und beantragte die Scheidung sowie das alleinige Sorgerecht. Der Vater hat striktes Umgangsverbot. Jetzt heißt es abwarten, wie die Gerichte entscheiden, Najim erhält alle denkbare Unterstützung durch das welcome office. Unsere zweimalige Begegnung war sehr offen und herzlich, Najim erzählte vertrauensvoll von ihrem langen Leidensweg. Die Wohnung ist ihr sicherer Hafen, die Kinder kommen endlich etwas zur Ruhe. Najim machte auf uns einen selbstbewussten und starken Eindruck, sie fühlt sich frei von ihrem Mann und frei von all den Konventionen ihres Heimatlandes, die ihre Entfaltung verunmöglichten. Wenn ihre Kinder größer sind (noch keines besucht eine Schule), will sie selbst zur Schule gehen und später einen Beruf erlernen.

Ebenfalls zwei Begegnungen hatten wir mit einer afghanischen jungen Mutter mit 6 Kindern. Die ausgebildete praktizierende Hebamme durfte nach der Machtübernahme der Taliban nicht mehr arbeiten und flüchtete. Ihr gewalttätiger Mann nahm sich eine zweite Ehefrau. Sie reichte die Scheidung ein und führt seitdem einen Sorgerechtsstreit. Bis zum endgültigen Entscheid leben drei Kinder mit ihr in einer unserer Wohnungen, die drei anderen beim Vater im Camp. Dreimal in der Woche können sich alle sechs Kinder in einem Park Mytilinis unter Aufsicht sehen, die Eltern dürfen keinen Kontakt miteinander haben. Fawad (Name geändert) möchte sich mit ihren Kindern in Europa eine neue Existenz aufbauen, sie und ihre Kinder blühen in der neuen, freien Umgebung spürbar auf.


Die beiden Schilderungen können hoffentlich/vielleicht im Ansatz etwas verdeutlichen, welchen Wert unsere Wohnungen für die Bewohner*innen haben. Unsere Initiative ist – mit den Worten von Katrin Glatz Brubakk – nur „ein Pflaster auf einer riesigen Brandwunde“ (aus einem Text von ihr in unserer Link-Sammlung); und dennoch: Ohne die Spenden gäbe es für die Geflüchteten auf Lesbos dieses „Angebot“ nicht! Es bietet für die Kinder eine Erfahrung von Sicherheit, Wertschätzung und Achtung, für die Erwachsenen die Möglichkeit, zur Ruhe zu kommen, Perspektiven zu entwickeln – und dies wiederum hilft den Kindern!
Wir sind sehr dankbar: Für die großen und kleinen, die treuen und spontanen Spenden, ohne die dieses Projekt nicht möglich wäre; und wir sind dankbar für unsere Begegnungen und Erfahrungen auf Lesbos. Es macht einen Unterschied, mit Alice Kleinschmidt regelmäßig in telefonischen oder Email-Kontakt zu stehen, oder die Menschen und ihre Lebenswege bzw. Fluchterfahrungen konkret zu erleben  .

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